Die Sozialisierungsphase des Welpen

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Junge Hunde sind neugierig und besonders lernfähig – das Gehirn entwickelt verschiedene Verhaltensmuster, die das Überleben des erwachsenen Hundes sichern sollen. Für die Sozialisierung sind die Erfahrungen während der ersten Lebensmonate entscheidend. In der sogenannten Sozialisierungsphase lernt ein Welpe, mit Menschen, Tieren und Umwelteinflüssen in seiner Umgebung umzugehen und in Stresssituationen adäquat zu handeln. Damit Ihr Welpe im Erwachsenenalter alle Alltagssituationen bewältigen und ein normales Sozialverhalten entwickeln kann, gibt es in der Sozialisierungsphase zwischen der achten und der zwölften Lebenswoche einiges zu beachten. Wie das Welpentraining in der Sozialisierungsphase aussehen kann, zeigt eine kurze Übersicht:

Erfahrungen fürs Leben

In der etwa vierwöchigen Sozialisierungsphase entwickeln Hunde Ängste und Verhaltensweisen, die sie meist ein Leben lang beibehalten. In freilebenden Rudeln übernehmen erwachsene Hunde die soziale Erziehung, meistens die Rüden. Durch Anbellen, Schubsen oder Schütteln weisen die Rüden die Jungen in ihre Schranken, damit diese erlernen, wie sie sich anderen Hunden gegenüber zu verhalten haben. Beim Haushund tragen Sie als Halter die Verantwortung, den Welpen auf seinen Alltag als erwachsener Hund vorzubereiten und an verschiedene Situationen zu gewöhnen.

Was, wenn die Sozialisierung des Welpen versäumt wurde?

Wird die Sozialisierung in der entscheidenden Entwicklungsphase des Hundes vernachlässigt, können Welpen ungewohnte Stresssituationen nicht verarbeiten und entwickeln im schlimmsten Fall Verhaltensstörungen und stressbedingte Krankheiten. Die meisten Züchter geben ihre Hunde kurz nach Beginn der Sozialisierungsphase an ihre neuen Besitzer ab, damit die entscheidende Lernphase im neuen Zuhause stattfinden kann. Ist Ihr Hund bereits erwachsen und zeigt ängstliche Verhaltensauffälligkeiten oder reagiert panisch auf alltägliche Situationen und Eindrücke, kann konsequente Konditionierung und positive Verstärkung dem Hund helfen, neue Verknüpfungen im Gehirn zu schaffen und entspannter auf bestimmte Reize zu reagieren.

Ziele der Sozialisierung in der Welpenerziehung

Die Sozialisierung ermöglicht einen stressfreien Alltag für Hund und Halter und formt den Charakter des Hundes. Jeder Hund ängstigt sich von Natur aus vor allem Unbekannten. Ziel der Sozialisierung beim Welpen ist es, den Hund zu desensibilisieren und an so viele alltägliche Reize wie möglich zu gewöhnen. Der Hund erlernt in dieser Phase, wie er sich im Rudel einzuordnen hat und welche Gefahren es in seiner Umwelt gibt. Die Sozialisierungsphase prägt das Verhalten des Hundes in verschiedenen Lebensbereichen:

 

  1. Gewöhnung an das Rudel

Bevor es mit der Welpenerziehung losgehen kann, muss die Beziehung zwischen Ihnen und Ihrem Welpen gefestigt sein. Das Wichtigste ist, dass Ihr Hund Ihnen vertraut. Außerdem müssen Hund und Halter lernen, miteinander zu kommunizieren und die Körpersprache des anderen richtig zu interpretieren. In der Sozialisierungsphase lernt Ihr Welpe außerdem, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Familienmitglieder, Besucher und andere Haustiere im Haushalt zeigen dem Hund seine Handlungsspielräume auf.

  1. Gewöhnung an andere Menschen

Ein gut sozialisierter Hund ist freundlich aber nicht aufdringlich anderen gegenüber und kann Gäste von Eindringlingen unterscheiden. Auf der Straße werden Ihrem Hund viele verschiedene Menschen auf unterschiedliche Weise begegnen – Hunde sollten in der Sozialisierungsphase lernen, dass Menschen außerhalb des Rudels keine Bedrohung darstellen. Gleichzeitig müssen junge Welpen ihre Grenzen kennenlernen und sollten nicht in jedem Passanten einen Spielgefährten oder eine Futterquelle sehen.

  1. Gewöhnung an andere Tiere

Welpen wissen nicht instinktiv, wie sie mit anderen Hunden kommunizieren können, sondern müssen eine Art Sprache erlernen wie Kinder. Ein gut sozialisierter Hund geht freundlich auf andere zu und weiß, wie er mit verängstigten, aggressiven und übermütigen Artgenossen umgehen muss. Auch andere Tiere sollten Ihren Hund nicht in Aufruhr versetzen. Dem wirkt der etwas später einsetzende Jagdtrieb eventuell leicht entgegen, dieser kann mit konsequentem Training und einer guten Sozialisierung aber unter Kontrolle gehalten werden. Hunde, denen beigebracht wird, ihre Artgenossen komplett zu ignorieren, können Verhaltensstörungen und Depressionen entwickeln – sozialer Kontakt unter Artgenossen ist nur natürlich und sollte keinem Hund vorenthalten werden!

  1. Gewöhnung an Orte und äußere Reize

Baustellen, Supermärkte und der allgemeine Straßenverkehr lenken gut sozialisierte Hunde nur selten ab und sind kein Grund zur Beunruhigung. Welpen sollten sich an verschiedene Umgebungen anpassen können und lernen, was für ein Verhalten sie an unterschiedlichen Orten an den Tag legen sollten. So kann der Hund sich später besser an fremde Umgebungen gewöhnen und kann angstfrei mit zu Freunden, in den Urlaub oder sogar zum Tierarzt gehen.

Die Rolle des Halters in der Welpenerziehung

Bei der Welpenerziehung im Haus spielen Sie als Halter eine wichtige Rolle. Ihr Welpe studiert Ihr Verhalten genau und passt sich diesem an. Ängste sieht der Hund Ihnen an und schaut sich diese schnell bei Ihnen ab – versuchen Sie deshalb, selbstbewusst und ruhig an neue Situationen heranzugehen. Während der Sozialisierungsphase sind junge Hunde besonders neugierig und aktiv. Ihr Welpe freut sich, wenn etwas Neues kennenlernen darf und sollte täglich auf neue Menschen, Hunde und Umweltreize treffen. Ihre Aufgabe während der Sozialisierungsphase besteht darin, Ihren Hund an so viele Reize wie möglich zu gewöhnen und ihm seine Welt zu zeigen.

Kurze Tipps zur erfolgreichen Sozialisierung:

  • Zeigen Sie Ihrem Welpen so viele neue Eindrücke wie möglich (milde Stresssituationen schaffen).
  • Lassen Sie sich nicht durch Zögern oder vermeidendes Verhalten Ihres Hundes beeinflussen.
  • Führen Sie Ihren Welpen ruhig und selbstbewusst durch Situationen, die ihn beunruhigen.

Gemeinsam die Welt entdecken

Damit Ihr Welpe alle oben genannten Fähigkeiten und Eigenschaften erlangen kann, muss er verschiedene Reize aus seiner Umwelt kennenlernen. Bringen Sie Ihren Hund in der Sozialisierungsphase gezielt mit anderen Menschen und Tieren zusammen und nehmen Sie ihn so oft wie möglich an neue Orte mit. Ein gewisses Maß an Stress ist für Ihren Hund in dieser Phase also hilfreich. Trotzdem sollten Sie Ihren Vierbeiner natürlich nicht überfordern und ihm alle 4 – 6 Stunden eine Pause gönnen, in der er sich in gewohnter Umgebung zurückziehen und ausruhen kann. Autofahren, vor dem Badezimmer warten oder klappernden Töpfen in der Küche ausweichen gehört mit ein bisschen Training und etwas Geduld bald zum Alltag Ihres Hundes und löst keinen Stress aus.

Kontakte knüpfen in der Welpenschule

In jeder Hundeschule gibt es sogenannte Welpenschulen speziell für junge Hunde. Hier treffen Welpen und kleine Hunde bis zum Alter von zwei Jahren zusammen und lernen, richtig miteinander umzugehen. Bei gemeinsamen Ausflügen und Spielstunden können Hundehalter sich hier austauschen und hilfreiche Tipps von ausgebildeten Hundetrainern bekommen. Gelegentliche Begegnungen in der Nachbarschaft oder im Park reichen kaum aus, um dem Hund genügend soziale Kontakte zu verschaffen. Versteht sich Ihr Welpe mit Hunden aus der Nachbarschaft, versuchen Sie sich regelmäßig mit seinen vierbeinigen Freunden und ihren Haltern zu treffen.

Konfrontieren Sie Ihren Hund Stück für Stück mit Hürden des Alltags

  • Bringen Sie Abwechslung in die täglichen Gassi-Runden.
  • Nehmen Sie Ihren Welpen in Zoos, Parks und Wälder mit. In Städten gibt es eingezäunte Hundewiesen, auf denen Ihr Hund sich frei bewegen darf.
  • Probieren Sie verschiedene öffentliche Verkehrsmittel aus.
  • Besuchen Sie gelegentlich auch Märkte, Eisdielen oder Supermärkte.
  • Auch das Alleinsein muss gelernt werden! Lassen Sie Ihren Hund in länger werdenden Intervallen auf Sie warten.
  • Gewöhnen Sie Ihren Welpen an alltägliche Geräusche wie Hupen, Klingeln und Musik aus verschiedenen Quellen.
  • Ihr Welpe sollte sich an Passanten, Postboten, Tierärzte und Freunde gewöhnen und diese als Teil seiner Welt akzeptieren. Auch verschiedene Hautfarben und Altersgruppen sollte er während der Sozialisierungsphase kennenlernen.

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Umgang mit ängstlichen Welpen

Bei der Sozialisierung des Welpen entwickelt Ihr neugieriger Welpe erste Ängste, die durch negative Erfahrungen geprägt werden. Welpen aus der Tierrettung oder von unseriösen Züchtern haben häufig schon erste schlechte Erfahrungen gemacht und ängstigen sich in bestimmten Situationen. Auch kleine Vorfälle mit bissigen Hunden oder Katzen können die Sozialisierung beeinträchtigen und neurotisches Verhalten fördern. Bei sogenannten Angsthunden ist viel Geduld gefragt. Versuchen Sie, ängstlichem Verhalten in Stresssituationen mit positiven Reizen entgegenzuwirken: Der angsteinflößende Park wird zum Spielplatz oder das Vorbeigehen an Passanten mit Leckerchen belohnt. Achten Sie darauf, nicht versehentlich das Angstverhalten Ihres Hundes zu belohnen!

Ihr Hund lernt ein Leben lang

Einige Kynologen vertreten die Ansicht, dass Hunde verschiedene Angstphasen durchlaufen, in denen negative Erfahrungen sich besonders stark einprägen. Fakt ist: Ein Hund lernt nie aus. Ängstlichem Verhalten können Sie auch im Erwachsenenalter mit geduldigem Training entgegenwirken. Das in der Sozialisierungsphase erlernte Verhalten ist zwar tief verwurzelt, durch Konditionierung können negative Reizverknüpfungen jedoch gemildert oder ganz aufgelöst werden. Das gilt natürlich auch andersherum: Wenn Sie stressbehaftete Situationen mit Ihrem Hund vermeiden, werden sich negative Konnotationen verstärken. Statt Situationen zu meiden, in denen Ihr Hund sich ängstlich oder aggressiv verhält, versuchen Sie Ihren Hund davon zu überzeugen, dass keine Gefahr droht.

Setzen Sie den Grundstein für ein entspanntes Hundeleben

Wie die Übersicht zeigt, ist die Sozialisierungsphase die einflussreichste Entwicklungsphase bei jungen Hunden. Hund und Halter machen in dieser Phase unvergessliche Erfahrungen, die die lebenslange Bindung stärken. Die Investition von Zeit und Geduld während dieser entscheidenden Phase zahlt sich aus: Ein entspannter und glücklicher Hund macht schließlich auch den Halter glücklich.

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